Der Tod ist ein leiser Helfer

Dies ist eine meiner „Geschichten“, die mit dem Tod enden. Allerdings betraf es nicht mich selbst, sondern einen Verwandten.

Alles spielte sich ab, als ich noch klein war, etwa 5 Jahre alt. Zu der Zeit war ich ab und zu einmal bei meinen Großeltern zu Besuch. Das war natürlich immer ein Vergnügen, denn meistens durfte ich dort mehr „unternehmen“ als zuhause bei meinen Eltern.
Eines Tages, als ich wieder einmal dort war, hatte meine Großmutter beschlossen, zu einer Bekannten zu fahren, um dort in einer gemütlichen Runde bei Kaffee und Kuchen mit ihrer Freundin zusammen zu sein. Dazu mussten wir in einen andern Stadtteil fahren, was für mich natürlich schon einmal ein Abwechselung war. Dort angekommen, begrüßte uns die „Tante“, die ich bis zu dem Zeitpunkt nicht kannte. Sie wohnte zusammen mit ihrem Mann in einem kleinen Haus.
Der Kuchen war noch nicht ganz fertig und so verschwanden die beiden Frauen kurzerhand in der Küche und beauftragten den Mann ihrer Freundin, sich ein bisschen mit mir zu beschäftigen. Das tat er dann auch. Was wir genau spielten, kann ich nicht mehr erinnern, aber es dauerte nicht sehr lange. Dann beschied er mir, ich möge doch bitte etwas allein spielen, er wollte sich in der Zwischenzeit eine Zigarre rauchen.

Damals war es noch üblich, dass bei Anwesenheit von Kindern geraucht wurde. Bei meinen Eltern war das zu der Zeit ähnlich. Überhaupt rauchten zu der Zeit sehr viele Menschen, vor allem Männer. So verging eine Zeit, wie lange, kann ich nicht sagen, aber dieser Mann, der Bekannte meiner Oma, schlief schliesslich in einem großen Sessel sitzend ein. Die Zigarre hatte er immer noch in der Hand. Ich bemerkte zwar, dass er eingeschlafen war, aber ich hatte immerhin etwas zu spielen und beschäftigte mich damit. Die Bekannte meine Oma schaute nur ab und zu einmal durch die Tür, ob alles in Ordnung sei und kümmerte sich dann wieder um Kaffee und Kuchen.

Als es soweit war, kamen die beiden Frauen lachend aus der Küche und servierten uns den Kuchen. Der Bekannte meine Oma war immer noch am schlafen und seine Zigarre hatte mittlerweile einen kleinen Haufen Asche auf dem Boden aufgetürmt. Als alles gedeckt war, meinte die Bekannte meiner Oma schließlich, es sei nun Zeit für ihren Mann, wach zu werden, und am Kaffeetrinken teilzunehmen. Sie zupfte etwas an seinem Ärmel, um ihn zu wecken, aber er reagierte nicht. Kurz darauf versuchte sie es noch einmal, nannte seinen Namen und zupfte etwas kräftiger. Die Zigarre fiel auf den Boden, aber er reagierte immer noch nicht.

Dann setzte Panik bei den Frauen ein. Hektisch versuchten sie ihn wach zu bekommen, aber es geschah nicht. Schließlich rannte die Frau aufgeregt zu ihren Nachbarn, die wohl zu der Zeit schon ein Telefon besaßen (das war durchaus Anfang der 60er Jahre noch eine Seltenheit) Kurze Zeit später kam ein Rettungswagen mit einem Arzt, der aber nur noch den Tod feststellen konnte.

Ich kann mich an die ganze Panik und das Entsetzen der Erwachsenen erinnern, aber auch daran, dass ich selbst sehr ruhig war und die ganze Aufregung nicht verstand…
Jahrzehnte später, als ich mich schon seit Jahren intensiv mit spirituellen Dingen, dem Erwachen und der Erleuchtung beschäftigte, hatte ich wiederholte Begegnungen mit dem Tod. Erst da wurde mir nach und nach klar, dass meine Anwesenheit den Übergang für diesen Mann erleichtert hatte. Er war sanft eingeschlafen, ohne jedes Drama.

Der Tod ist ein leiser Helfer.


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